weblaw legal tech schweiz

Das Portal weblaw.ch ist so etwas wie die Spinne im Netz der Schweizer Legal-Tech-Szene. Wir haben die Gründer einmal ausgefragt, wo Legal Tech in der Schweiz heute steht und welche Rolle weblaw.ch dabei spielt.

1. Was ist die innovative Idee und was sind die Ziele von weblaw.ch?

Hinter weblaw.ch steht die Weblaw AG

Die Weblaw AG vernetzt unter einem Dach Technologie, ein Verlagshaus, Beratungstätigkeiten und Weiterbildung. Sie hat sich seit Beginn 1999 der Weiterentwicklung von technischen Hilfsmitteln für die Juristenwelt (Legal Technology, LegalTech) gewidmet. Heute ist sie eine der wichtigsten IT-Dienstleisterinnen für Kanzleien, Verwaltung und Gerichte sowie juristischer Fachverlage im digitalen Bereich.

Aktuelle (LegalTech)-Projekte der Weblaw AG

Die Weblaw AG zeichnet sich dadurch aus, dass sie auf interessante Persönlichkeiten und innovative Projekte setzt. Zuletzt wurde vor allem der LegalTech-Bewegung Rechnung getragen. So betreiben wir beispielsweise einen LegalTech Blog, der sich mit aktuellen LegalTech News befasst. Durch Zusammenarbeit mit der iDPARC AG steht ein Tool zur Automatisierung von Dokumenten zur Verfügung (DocEngine). Mit weiteren IT-Partnern (Con-IT, SmartIT) ist der LawDesk entstanden, die ideale juristische Arbeitsumgebung in der Cloud. Damit können die Juristen von morgen jederzeit und überall ihren geschäftlichen Tätigkeiten nachgehen.

Ziele der Weblaw AG

Die Weblaw AG versucht Juristen Werkzeuge zur Verfügung zu stellen, die sie bei ihrer täglichen Arbeit unterstützen. Bestehende Strukturen sollen dabei möglichst weitgehend eingebunden und sinnvoll ergänzt werden. Die Produkte und Dienstleistungen der Weblaw AG ergänzen und vereinfachen die Arbeitsweise der Juristen. Im Vordergrund steht dabei der single point of entry.

2. Wo steht Legal Tech in der Schweiz?

Kleiner Markt

Der Schweizer Rechtsmarkt hat ein vergleichsweise geringes Marktvolumen. Erschwerend ist zudem die Mehrsprachigkeit (Deutsch, Französisch, Italienisch). Die Mehrheit der Schweizer LegalTech-Anbieter fokussiert sich auf den deutschsprachigen Markt. Im Vordergrund stehen die digitale Beratung und die Dokumentengeneration sowie die Vermittlung von geeigneten Rechtsexperten.

LegalTech für Konsumenten und Privatpersonen

In der Schweiz gibt es zahlreiche Konsumentenportale die mittels LegalTech den Konsumentinnen und Konsumenten den Zugang zu Recht vereinfachen. Den Benutzerinnen und Benutzern wird dabei meist – nebst der Zurverfügungstellung rechtlicher Informationen – ein Anwalt vermittelt oder ihnen wird die Möglichkeit eingeräumt werden, selbst Dokumente zu erstellen. Die Rechtsbereiche, die dabei im Vordergrund stehen sind unter anderem das Mietrecht, das Arbeitsrecht sowie das Familien- und Erbracht.

Vermehrt gibt es auch Anbieter, die sich mit komplexeren Dokumenten direkt an Privatpersonen wenden. Als Beispiel kann die Gründung von Unternehmen genannt werden. Solche LegalTech-Angebote bedürfen allerdings in der Schweiz noch weiterer Entwicklung. Sie erscheinen bis jetzt als zu wenig ausgereift, um sich gegenüber traditionellen Rechtsdienstleistungen (grossflächig) durchsetzen zu können.

LegalTech für Juristen

Für die Anwaltschaft der Schweiz gibt es seit längerem technologische und zunehmend auch intelligente Hilfsmittel, die den Arbeitsalltag erleichtern. Federführend sind dabei die grossen Wirtschaftskanzleien, die entsprechende Lösungen insbesondere für Due-Diligence-Prüfungen einsetzen. Kleinere Kanzleien haben im Gegenzug den Vorteil, dass sie flexibler und weniger schwerfällig sind, das heisst LegalTech-Lösungen schneller um- bzw. einsetzen können (siehe Gian Sandro Genna, LegalTech – alles nur ein vorübergehender Hype?, Weblaw LegalTech Blog, 10.10.2017).

Eines der Kernprodukte der Weblaw AG, die Lawsearch Enterprise, ist ein typisches Beispiel für LegalTech, die sich an Juristen richtet: Die Lawsearch Enterprise bietet eine interne Suchmaschine, die (Rechts-)Dokumente systematisiert und veredelt, das heisst juristische Informationen automatisch mit mehrsprachigen juristischen Schlagworten und Referenzen (z.B. Gesetzen) ergänzt und verlinkt.

Fazit LegalTech Schweiz

Trotz relativ kleinem Rechtsmarkt ist die Schweiz gegenüber internationalen Trends nicht immun. Privatpersonen werden sich künftig auch in der Schweiz vermehrt mithilfe elektronischer Mittel über ihre rechtlichen Möglichkeiten informieren und – soweit möglich – Rechtsdokumente selbst erstellen. Für Juristen geht mit LegalTech (vorerst) nur eine Veränderung der Arbeitsweise einher, nicht jedoch eine Aufhebung des Berufsstandes.

3. Welche Gründungen haben in letzter Zeit in der Schweiz von sich reden gemacht?

DocEngine

Für Aufsehen gesorgt hat DocEngine, ein LegalTech-Probjekt der Weblaw AG in Zusammenarbeit mit der iDPARC AG, das im Dezember 2017 live gegangen ist.

DocEngine ein vollständig web-basiertes Tool in den Bereichen Document Automation, Contract Management sowie Compliance & Research. Im Gegensatz zu den meisten anderen LegalTech-Produkten bietet DocEngine eine modulare und flexible Architektur, die ein effizientes Arbeiten mit intelligent automatisierten Dokumenten und Verträgen ermöglicht. Durch Rechen- sowie Recherchefähigkeit ist DocEngine zudem in der Lage komplexe Aufgaben im Bereich des Steuerrechts und der Tax Compliance zu automatisieren. Ausserdem bietet dieses LegalTech-Produkt neben der integrierten Kunden- und Dokumentenverwaltung ein Knowledge-Management-Tool, mit dem Vertrags- und Dokumentvorlagen, einzelne Textbausteine und Variablen an einem zentralen Ort verwalten und bei Bedarf aktualisiert werden können.

LawDesk

Ebenfalls ein Projekt der Weblaw AG ist der LawDesk, der «One-Stop-Shop» für Schweizer Juristen. Der LawDesk ist eine juristische Arbeitsumgebung in der Cloud, auf den bei aktiver Internetverbindung jederzeit, von überall und mit beliebigem Endgerät (z.B. Tablet oder Mobile) zugegriffen werden kann. LawDesk bildet das Fundament der täglichen Rechtsarbeit, indem er IT-Infrastruktur auf höchstem sicherheitstechnischem Niveau mit Fachapplikationen, juristischen Inhalten und elektronischem Rechtsverkehr in einem Paket vereint.

4. Wie reagiert die Schweizer Anwaltschaft auf die fortschreitende Digitalisierung?

Grosse Anwaltskanzleien

Trotz anfänglicher Skepsis setzen sich mittlerweile sämtliche grossen Akteure der Schweizer Anwaltsbranche (und auch Rechtsabteilungen von Grossunternehmen) mit den Auswirkungen des technischen Fortschritts auseinander. Viele von ihnen befürchten, ohne entsprechende Massnahmen nicht wettbewerbsfähig bleiben zu können und investieren ihn LegalTech-Produkte.

Kleinere und mittlere Kanzleien

Anders als die Grosskanzleien sind die kleineren und mittleren Kanzleien noch nicht in unmittelbarem Zugzwang. Dennoch setzen sich insbesondere junge Anwältinnen und Anwälte mit den technischen Möglichkeiten hinsichtlich ihres Berufs auseinander. Für kleinere und mittlere Kanzleien zunehmend von Interesse sind die elektronischen Kommunikationsmittel. Dass die Schweizer Anwaltsbranche dem technischen Fortschritt Rechnung trägt, zeigt beispielsweise auch der 9. Anwaltskongress 2017 vom 15.–17. Juni 2017 des Schweizerischen Anwaltsverbandes (SAV) der sich dem Thema «Digitalisierung der Rechtsdienstleistung» widmete.

5. Auf welche Legal-Tech-Veranstaltungen in der Schweiz dürfen wir uns 2018 freuen?

Im Vordergrund steht das Weblaw Forum LegalTech – Digitalisierung des Rechtsmarktes. Das Weblaw Forum LegalTech bietet ein vielseitiges Programm: Einerseits gewähren Fachreferenten einen tiefgehenden Einblick in ausgewählte LegalTech-Themen und andererseits wird den Teilnehmenden ermöglicht sich in den grosszügig angelegten Pausen ausgiebig über aktuelle Trends auszutauschen.

Herzlichen Dank für das Interview!